RoboCon 2026 - Recap (Workshop & Community day)

WĂ€hrend ich am Flughafen auf meinen RĂŒckflug wartete, Laptop auf den Knien und noch ganz erfĂŒllt von den EindrĂŒcken der zurĂŒck liegenden RoboCon 2026, begann ich damit, meine Aufzeichnungen zu sortieren.
Der erste Entwurf dieses Artikels entstand also quasi zwischen Gate-Ansagen und Boarding-Aufrufen đ
Hier also ist meine ganz persönliche dreiteilige RĂŒckschau auf die RoboCon â geprĂ€gt von meinen EindrĂŒcken, meinen Schwerpunkten und den Themen, die bei mir besonders nachgewirkt haben.
Trotzdem hatte ich natĂŒrlich den Anspruch, auch den “Daheimgebliebenen” möglichst viel vom “RoboCon-Feeling” mitgeben zu können.
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Vier intensive Tage in Helsinki liegen hinter mir â voller GesprĂ€che, neuer Impulse, technischer Details und inspirierender Begegnungen.
Wie jedes Jahr habe ich versucht, so viel wie möglich im Handy mitzuschreiben: Neue Namen, Kerngedanken, prÀgnante Aussagen, spontane Ideen, offene Fragen.
Manche Aspekte erschlieĂen sich erst im Nachklang, anderes wirkt im Moment bedeutender, als es spĂ€ter erscheint.
Und doch: Dieses Jahr fĂŒhlt sich meine Sammlung noch runder an. Nicht unbedingt lĂŒckenlos (leider nicht mit allen Sessions) â aber strukturierter, klarer, nĂ€her am Geschehen als noch im vergangenen Jahr.
Vielleicht, weil ich bewusster zugehört habe. Vielleicht auch, weil ich inzwischen besser weiĂ, wie ich von der RoboCon am besten profitieren kann.
Viel SpaĂ beim Lesen!
Dienstag: Workshop “PlatynUI Library”

Lisa Böttinger + Fabian Tsirogiannis (Imbus AG)
Die RoboCon folgt einer bewĂ€hrten Tradition: Der erste Tag ist einem ganztĂ€gigen Workshop vorbehalten. Eine super Gelegenheit, direkt von Profis zu lernen und selbst Hand anzulegen. FĂŒr mich persönlich ist das schon immer ein starker Grund, die RoboCon zu besuchen.
Dieses Jahr nutzte die Foundation die RĂ€umlichkeiten der Haaga-Helia University of Applied Sciences zur DurchfĂŒhrung der Workshops.
Desktop-basierte Testautomation war fĂŒr mich schon lange vor Robot Framework ein Thema von Interesse.
Richtig Fahrt aufgenommen hat es jedoch erst durch die Integration von Robot Framework in Checkmk, die mit meiner Open-Source-Version von Robotmk möglich wurde.
Plötzlich erkannten viele Checkmk-Kunden das Potenzial, nicht nur webbasierte Tests zu automatisieren, sondern auch Desktop- und End-to-End-Tests direkt ins Monitoring zu integrieren.
Ich wende lange schon die ImageHorizonLibrary an, um per Bildvergleich grafische BenutzeroberflÀchen zu testen. Gerade bei Àlteren UIs, die keine Automation-IDs exportieren, oder auch Citrix-Verbindungen ist das immer noch der einzige gangbare Weg.
Aber die neu entwickelte PlatynUI Library setzt hier neue MaĂstĂ€be. Entwickelt von Daniel Biehl (Imbus AG) â mit bedeutsamen BeitrĂ€gen des restlichen Imbus-Teams â adressiert sie ein altes Problem mit einem ganz neuen Ansatz.
Libraries, die ĂŒber die Windows-API auf UI-Elemente zugreifen, sind an sich nicht neu (um nur ein paar zu nennen: WhiteLibrary, Zoomba Libary, FlaUI Library, AutoIT Library).
PlatynUI unterscheidet sich aber in mehreren Punkten grundlegend:
- Ein konsequent Robot-Framework-first Ansatz â ohne Umwege ĂŒber Third-Party-Tools
- UnterstĂŒtzung fĂŒr macOS, Linux und Windows (mit Schwerpunkt Windows aufgrund von Imbus-Kundenanforderungen)
- Ein eigener Spy-Editor zur Inspektion von UI-Elementen
- Eine durchdachte Philosophie zum Klicken auf Elemente
Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit.
Wer per Bildvergleich grafische OberflĂ€chen automatisiert, muss sich eines klarmachen: Die Test-Library weiĂ ĂŒberhaupt nicht, worauf sie tatsĂ€chlich klickt.
Sie handelt auf Basis von Pixelmustern.
Die ImageHorizonLibrary beispielsweise funktioniert so: Das Keyword Click Image ok_button.png vergleicht zur Testlaufzeit den aktuellen Bildschirminhalt (in-memory Screenshot) mit einem vorher aufgenommenen Referenzbild.
Wird es gefunden, klickt die Library auf die Bildschirmmitte genau dieser Treffer-Region.
Das Prinzip ist mathematisch simpel, aber es hat eine kleine Schwachstelle: Der Klick beruht auf der Annahme, dass das Element den Klick auch akzeptiert â in 99% der FĂ€lle ist das auch so, aber eben nicht garantiert.
PlatynUI fĂŒhrt hier ein separates Keyword ein: Activate.
Der Name wirkte auf mich zunĂ€chst unintuitiv (man “aktiviert” doch nicht einen Button, man “klickt” ihn…).
Doch genau das ist die Pointe: Die Library klickt nur auf das, was auch wirklich sicht- und anklickbar ist.
Es ist eine elegante Sicherheitsstufe, die Fehlannahmen frĂŒh abfĂ€ngt.
Lisa Böttinger und Fabian Tsirogiannis fĂŒhrten den Workshop souverĂ€n durch â von der uv-basierten Umgebungserzeugung bis zur Installation der AbhĂ€ngigkeiten.
Ausreichend Zeit fĂŒr eigene Experimente und praktisches Lernen machte den Tag komplett.
Kann man PlatynUI jetzt schon produktiv nutzen?
Daniel beantwortet sie (nach wie vor) bewusst vorsichtig: “It’s still in a very, very early stage.” (unter Imbus-Leuten inzwischen ein running Gag đ)
WÀhrend der Weiterentwicklung können sich grundlegende Dinge also vielleicht nochmal Àndern.
Allerdings: Die Deutsche Flugsicherung nutzt PlatynUI bereits heute zur ĂberprĂŒfung von Fluglotsen-Interfaces. Das deutet auf einen hinreichend reifen Stand hin. Probiert die Library einfach mal aus!
Heute erst hatte ich einen Kunden-Call - der Kunde möchte einen Desktop-Test unbedingt mit PlatynUI umgesetzt haben. Ran an den Speck!
Mittwoch: The “Unconference Day”

Der Unconference Day fand dieses Jahr in den GeschĂ€ftsrĂ€umen von GOFORE in Helsinki statt (GOFORE ist ein internationales Beratungsunternehmen fĂŒr digitale Transformation).
Ein groĂes Dankeschön an GOFORE dafĂŒr, dass das Unternehmen einfach so seine RĂ€ume zur VerfĂŒgung stellt, damit sich Arbeitsgruppen frei organisieren können. Das erfordert groĂes Vertrauen.
Ed Manlove begrĂŒĂte alle am Morgen im groĂen Versammlungsraum im 8. Stock.
Der Unconference Day verkörpert genau, was sein Name verspricht: nicht die starre, formale Konferenz mit vorgegebenen Slots, sondern eine lebendige, selbstorganisierende Veranstaltung.
Die Grundidee stammt aus dem Konzept des “Open Space” von Harrison Owen: “If you are not learning or contributing in a meeting or situation, you have the responsibility to use your own two feet (or wheels) to move to a more productive place.”
Ein Prinzip, das sich durch die Struktur widerspiegelt: FlexibilitÀt, Eigenverantwortung, Mut zum Wechsel.
Ed brachte das Konzept auf den Punkt mit vier SĂ€ulen: Be supportive. Build connections. Look for opportunities. Use your head and your gut. And use your heart.
René Rohner, Vorsitzender der RF Foundation, moderierte die Brainstorming-Session, in der Themen gesammelt wurden.
Die Vielfalt war beeindruckend: Von hochstrategischen Ăberlegungen (Open-Sourcing von Tools, KI-Auswirkungen auf ArbeitsplĂ€tze, Integration von Business-Perspektiv in Test-Automation) bis hin zu konkreten technischen Herausforderungen (RoboCop-Konfiguration, Email-Testing, Robot Framework mit IBM Mainframe) â das Spektrum zeigte deutlich, wie breit aufgestellt die Robot-Framework-Community heute ist.

Ich bot auf Anregung von Ivo BrĂŒssow (der selbst eine Usergroup im MĂŒnsterland leitet) die Session “How to organize user group meetings” an.
Unsere MĂŒnchner Gruppe (RFUGM) ist noch jung und klein, aber es freute mich riesig, dass so viele teilnahmen.
Es war wertvoll zu sehen, welche gemeinsamen Herausforderungen ĂŒberall auftauchen:
- Gewinnung neuer Mitglieder
- Marketing
- Themenfindung
- Zeitmanagement
- usw.
Ed besuchte uns dazwischen fĂŒr ein Foto â aber es war perfekt getimed: Er nutzte den Augenblick, um spontan den Slack-Channel #usergroup-organizers (link) zu eröffnen. Ein Ort, an dem wir uns kĂŒnftig austauschen können.
Dann schaute ich in der AppiumLibrary-Session vorbei.
Mobile Testautomation mit iOS und Android war schon lange auf meiner Liste, doch ich war im letzten Jahr zu sehr mit meinem Robot-Framework-Trainingsmaterial beschÀftigt.
Das Timing ist jetzt perfekt: Gabriela Simion und Christoph Singer sind inzwischen die neuen Maintainer und haben die Ărmel hochgekrempelt â Version 3.0 ist gerade released.
Ich möchte mit meinen eigenen Tests einen Beitrag leisten und ihnen Feedback geben, denn Maintainance von fremdem Code ist nicht trivial, Regressions-Bugs schleichen sich schnell ein.
Vor dem Mittagessen schnappte ich mir die zweite HĂ€lfte des Browser-Library-AnfĂ€nger-Workshops. Igor Czyrski von NiceProject machte das mit beeindruckender Ruhe und Struktur â inspirierend zu sehen, wie andere das Thema angehen.
Nach dem Mittagessen saĂ ich in der Session von Many Kasiriha â dem Schöpfer von Robot-MCP. Der Raum war so voll, dass wir kurzerhand nochmal umziehen mussten, und zu Recht: Many hat die seltene Gabe, komplexe Dinge so zu erklĂ€ren, dass man sofort mehr erfahren möchte. Und beim Thema “AI” hat er mit seinem MCP-Server fĂŒr Robot Framework ins Schwarze getroffen.
Der erste produktive Use-Case fĂŒr KI-generierte Tests ist wohl noch nicht auf dem Radar, aber das sollte nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Many hier Pionierarbeit geleistet hat. Dies ist erst der Anfang einer groĂen Bewegung.
Ein besonderes Highlight war der Austausch mit Tatu Aalto ĂŒber einen Bug in der Assertion Engine der Browser Library: Kaum eine Stunde spĂ€ter â ich war bereits unterwegs zur nĂ€chsten Location â schrieb Tatu auf Slack, dass er ein neues Release veröffentlicht hatte.
Schnell, kooperativ, pragmatisch. Danke Tatu! đ€
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